Filmmusik als packendes Konzertstück

06.12.2016

Lauterbacher Anzeiger, Filmmusik als packendes Konzertstück - 06.12.2016
Foto: Günkel

Lauterbach: Filmmusik als packendes Konzertstück

Von Martin G. Günkel
LAUTERBACH

LAUTERBACH - Wie außergewöhnlich gut die Lauterbacher Kantorei und die Kurpfalzphilharmonie Heidelberg sind, war beim großen Adventskonzert in der Lauterbacher Stadtkirche einmal mehr zu erleben. Denn aus dem Magnificat von John Rutter eine so packende und schöne Aufführung zu machen, ist eine herausragende Leistung.

Das Programm begann mit Johann Sebastian Bachs Kantate "Schwingt freudig euch empor" (BWV 36). Weiter ging es mit Antonio Vivaldis Konzert in f-Moll op. 8,4 - das ist der "Winter" aus den "Vier Jahreszeiten". Die Rutter-Komposition bildete den Abschluss. Chor und Orchester wurden unterstützt von den Gesangssolisten Natascha Jung (Sopran), Johanna Krell (Alt), Ralf Emge (Tenor) und Christoph Kögel (Bass) sowie von der Organistin Katrin Anja Krauße. Die Solovioline bei Vivaldis "Winter" spielte Arne Müller, Konzertmeister der Kurpfalzphilharmonie. Die Leitung hatte Kantorin Claudia Regel.

Bei der Bach-Kantate hatte die Kantorei den üblichen dicken und warmen Klang. Den unterlegten die Philharmoniker ganz dezent, um den Melodien des Chors die zentrale Rolle zu geben. Die Begleitung war feinsinnig und einfühlsam. Einer der Höhepunkte der Bach-Komposition war der vorletzte Teil. Das ist eine Arie, bei der die Sopranstimme eine Sologeige an ihrer Seite hat. Mit Natascha Jung und mit Arne Müllers Violine waren da zwei Sänger im Dialog zu erleben.

Meistens wird in der Stadtkirche Barockmusik mit einem Barockorchester aufgeführt, das mit historischen Instrumenten kommt. Die sind auch unabhängig von allen historischen Aspekten einfach schön. Aber am wichtigsten für den Klang sind die Finger, wie die Philharmoniker mit ihren modernen Instrumenten wieder einmal bewiesen. Ihr Bach und ihr Vivaldi waren wundervoll.

Beim "Winter" übernahm Arne Müller selbst die Leitung des Orchesters. Er spielte weder mit zu viel noch mit zu wenig Vibrato. Besonders beim langsamen Satz sang seine Geige ganz schlicht und gerade dadurch mit einer Tiefe, die nichts zu wünschen übrig ließ. Das Orchester war ihm ein kongenialer Partner.

Es war herrlich, wie sich Tempo und Lautstärke immer passend zur Musik änderten. Manch ein Vertreter der sogenannten Alten Musik mag sich da beschweren, weil ja Barock angeblich das Gegenteil von Romantik ist. Es haben aber immer mehr Vertreter der sogenannten historischen Aufführungspraxis verstanden, dass dieser trockene und viel zu schnelle "Hackepeter-Barock" mancher "Puristen" weder schön ist noch historisch sein kann. Der Vivaldi Arne Müllers und der Philharmoniker überzeugte auf allen Ebenen.

Auch als Filmorchester würden die Philharmoniker eine richtig gute Figur machen, wie bei John Rutters Magnificat deutlich wurde. Entsprechendes gilt für die Kantorei, die gleichermaßen gut die meist ebenso dicken wie süßlichen Klänge hinzauberte. Die phantastische Interpretation war die eigentliche Sensation dieses Programmpunktes.

Ausdruck und Klangfarben der Komposition passen am ehesten in einen Disney-Film - und die Interpreten sorgten dafür, dass man die entsprechenden Filmbilder nicht allzu sehr vermissen musste. Das hatte mit der enormen Lebendigkeit der Aufführung zu tun und damit, dass jeder Moment absolut konsequent ausgestaltet wurde. Beim Einstieg gelang es Chor und Orchester, dick und trotzdem locker zu klingen. Hell und schwebend war der zweite Teil, bei dem die tiefen Streicher oft aussetzten und sich süßliche Harfenklänge zu den zart spielenden Geigen gesellten.

Katrin Anja Krauße spielte ihren Part nicht - wie bei der Bach-Kantate - auf der kleinen Orgel im Altarraum, sondern auf der großen Kirchenorgel. Damit kamen riesige Klänge von beiden Enden des Kirchenschiffs, was die bombastische Wirkung der dicksten Passagen noch unterstrich. So, wie das Magnificat gesungen und gespielt wurde, machte es Spaß. Das Publikum ging auch nicht ohne Zugabe nach Hause.

 

Quelle: www.lauterbacher-anzeiger.de, "Lauterbach: Filmmusik als packendes Konzertstück", Link zur Quelle, 06.12.2016

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